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Der Auer Kirchturm

Unser ortsbildprägender Kirchturm erstrahlt seit dem letzten Jahr wieder in altem Glanze. Er ist schlichtweg das Wahrzeichen von Au. Im Laufe der Jahrhunderte hat er aber einiges erlebt, bauliche Veränderungen aber auch bedrohliche Ereignisse.

In der jetzigen Form wurde der Turm beim Neubau unserer Pfarrkirche, 1719 bis 1723, errichtet. Für die deutlich größere Kirche musste auch der Turm entsprechen erhöht werden. Der untere Teil blieb bestehen, beim oberen aber, ab der Glockenstube, wurde aus einem Satteldach ein „Spitzhelm“. Der Turm wurde so entsprechend höher.

Blitzschlag am 9. Juni 1817

Text des Chronisten:

„Der Blitzschlag, welcher ein Gehöltz bey 40 Schuh lang : ganz zerschmetterte und die Hälfte des Thurmes und ein Zuwinken nöthig machte, ereignete sich den 9ten Juny 1817 um 3 Uhr früh; zu arbeiten wurde daran angefangen mit Anfang des July und am 25 September hab ich das Kreuz gesteckt und dann erst im Oktober den Thurm ganz verfertiget.

Während dieser Zeit, wo man an den Thurm gearbeitet hat, das Getreid gekostet der Weizen 70 bis 100 fl (Gulden), Korn 60 bis 90 fl Haber 15 bis 20 fl das Schäftl. Das Komiß-Laibl 36 bis 40 kr (Kreuzer) die Erdäpfel der Metzen 1 fl 45 kr bis 2 fl 24 kr welches aber sich bey anfang des Jahres 1818 sich änderte.“

Interessant ist auch ein weiterer Vermerk im Bericht an die „Obrigkeit“: „..ein Blitzstrahl schlug in den Kirchthurm zündete aber zum großen Glück nicht. Der elektrische Schlag verzehrte jedoch das Schindeldach gegen die Westseite vollends. Er drang auch gegen das Orgel Werk und ruinierte selbe gestaltig, so dass sie einer Reparatur höchst bedürftig ist…“ Es wird dann „unterthänigst“ um Genehmigung zur Reparatur und um Hilfe gebeten.

Erläuterungen zum Inhalt:

Schaden:  Turm: Zerstörung von „40 Schuh“ lang, bedeutet ca. 12 m.

Orgel: Schaden nicht beziffert, Reparatur aber wahrscheinlich aufschiebbar.

Zeitrahmen: Dauer der Reparatur von Juli bis Oktober 1817.

Historischer Kontext: Das Jahr 1817 wird als „Jahr ohne Sommer“ beschrieben. Nach dem Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien, kam es zu einer kurzfristigen Klimaveränderung, in der Folge dann zu weltweit verheerenden Ernteausfällen. Die Folge war eine extreme Teuerung und schwere Hungersnöte. Erst 1818 normalisierten sich die Verhältnisse scheinbar langsam.  

Umgerechnet auf die heutige Zeit, dürften die Preise für Getreide etwa das einhundertfache des heutigen betragen haben, d.h. nahezu unbezahlbar gewesen sein.

Für unsere Vorfahren war dies in der ohnehin schweren Zeit eine besondere Katastrophe, die offensichtlich mit großer Opferbereitschaft und unter größten Entbehrungen bewältigt werden mußte. 

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