Das Läuten der Kirchenglocken gehört zum Dorf! Es ist ein wichtiger Bestandteil im Tagesablauf des dörflichen Zusammenlebens. Das hat sich im Laufe der Jahrhunderte auch kaum verändert. Auch wenn es für das Mitteilen wichtiger Informationen heute modernere Möglichkeiten gibt, würde den meisten Bewohnern etwas fehlen, wenn es das Gebetläuten, das Mittagsgeläut oder den Ruf zum Gottesdienst z. B., nicht mehr gäbe. Es ist eigenartig, aber das Läuten der Glocken nimmt man tatsächlich oft erst wieder wahr, wenn es ausfällt.
Im Pfarrarchiv sind interessante Dokumente und Informationen über die Glocken im Laufe der Jahrhunderte vorhanden, die in mehreren Abschnitten dargestellt werden sollen.
Die ursprünglichen Glocken
Die ersten Glocken waren nacheinander angeschafft worden. Die kleine wurde 1579 gegossen, die große 1605 und die beiden mittleren 1637, also während des dreißigjährigen Krieges. Sämtliche Glocken wurden durch „großherzige Spenden“, wie es heißt, finanziert. Pfarrer Sebastian Seidl und der Gastwirt Georg Andrelang waren dabei die größten Geber.
Der Chronist schreibt von einem regen „Glockenwettstreit“, um das beste Geläut in den Städten und Dörfern, zur damaligen Zeit. Auch Au war davon betroffen, zumal das alte Auer- Geläut schon als ziemlich „abgenützt“ beschrieben wird.
Anschaffung neuer Glocken 1896
Eine „Glockenkasse“ sollte die Finanzierung ermöglichen. Schon im Jahre 1867 vermachte der Dienstknecht Johann Impler, vom Impler ob Au, auf seinem Sterbebett, der Pfarrei 500 Gulden für dieses Ansinnen. Josef Millkreiter, von Oberberg, vermehrte diese Summe nochmals um 1500 Gulden. Es wird noch von zusätzlichen, namentlich nicht genannten, „namhaften“ Spenden der Auer berichtet.
Domkapitular Dr. Marzellus Stiegloher, ein gebürtiger Auer, finanzierte aus Dankbarkeit seiner Heimatgemeinde die neue große und Pfarrer Krieger übernahm die Kosten für die kleine Glocke.
Die Finanzierung des neuen Geläutes war somit gesichert und Glockengießerei Bachmaier in Erding konnte mit der Herstellung beauftragt werden.
Nach der Fertigstellung wurden die neuen Glocken am 25. November 1896 dann mit der Bahn von Erding nach Aibling gebracht und von dort „durch je ein Viergespann des Koglerbauern Georg Bauer und des Gasthofbesitzers Franz Xaver Andrelang, begleitet von je vier Reitern des Veteranenvereins und des Krankenunterstützungsvereins, nach Au transportiert. Unterhalb der neugebauten elektrischen Bahn wurden die Glocken dann von der Geistlichkeit und der Gemeinde, feierlich empfangen.“
Da es „unvorhergesehene“ Schwierigkeiten gab, (welcher Art diese waren, wurde nicht festgehalten) wurden die Glocken bis zum März 1897 in der Kirche gelagert und erst dann auf den Turm gebracht. Ohne den „geringsten Unfall“, wie es heißt. Vorher war vom Zimmermeister Josef Gasteiger noch der komplette Glockenstuhl unentgeltlich erneuert worden.

Glockenfeier am Fest Maria Verkündigung, am 25. März 1897

Der Chronist beschreibt sehr eindrucksvoll den Ablauf:
„Schon am frühen Morgen, gelockt von Böllerschützen, gingen die Bewohner ins Freie, um dem ersten Ave-Klang der neuen Glocken zu lauschen. Und kaum waren die Glockenklänge verklungen, erklangen vom Turm herab die frischen, erhebenden Musikklänge der wackeren Kapelle von Au.“
In einem feierlichen Festzug zogen alle Vereine und die Geistlichkeit, mit Domkapitular Dr. Stigloher, durch das reich geschmückte Dorf zur Kirche zum Dankesamt. Nach dem Gottesdienst fand dann das feierliche Probeläuten statt. Beginnend mit der kleinsten wurden nacheinander die Glocken einzeln angeschlagen und läuteten dann zum Schluss alle gemeinsam. Ein offenbar erhebender Klang. Das Festmahl fand dann beim Gasthaus Andrelang statt. Dem edlen Gönner, Dr. Stigloher, der auch noch zwei Freiplätze für Bürger von Au, für das Priesterseminar in Freising gestiftet hat, wurde dabei das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Au verliehen.
Zur Erinnerung an diese Glockenfeier wurde von Stigloher ein Kunstdruck erstellt. Die Formulierung im Text, „…die Glocken haben zum ersten Mal das Lob Gottes verkündet….“, zeigt sehr deutlich, welche Bedeutung das neue Geläute für die Menschen im Dorf hatte.
In den Aufzeichnungen des Chronisten wurde neben der Tonart auch noch das genaue Gewicht der einzelnen Glocken in Zentner und Pfund angegeben, was auf einen damals sehr hohen Wert von Kupfer und Zink hindeutet.
Gewicht und Stimmung der sechs Glocken
(Aus Erinnerungen an die Glockenfeier, 1897)
- Martin Marzellusglocke, von Dr. Stigloher, 39 Ztr., 52 Pfund, Stimmung C
- Angelusglocke, Glockenkasse, 19 Ztr.,64 Pfund, Stimmung E
- Alte große Glocke, 14 Ztr., Stimmung G
- Familienglocke, Glockenkasse, 6 Ztr., 76 Pfund, Stimmung B
- Kleine neue Glocke, von Pfarrer Krieger, 5 Ztr. 72 Pfund, Stimmung C
- Kleine alte Glocke, 1 Ztr. 45 Pfund, wird immer allein geläutet.
Im nächsten Abschnitt soll die Problematik der Glocken in den zwei Weltkriegen behandelt werden.
Balthasar Spann
