Ein Heiliges Grab ist eine Nachbildung der Grabstätte Jesu, um in der Karwoche die Grablegung und die Auferstehung Christi darzustellen. Diese Tradition war besonders im Spätmittelalter und im Barock verbreitet, sie diente der Veranschaulichung der Vorgänge in der Karwoche und zu Ostern. Am Karfreitag und am Karsamstag war das Heilige Grab ein Ort des Verweilens und des Gebetes,
Auch in Au wurde dieser Brauch bis in die Mitte der fünfziger Jahre gepflegt, und ein solches „Gedächtnisgrab“ aufgestellt. Über das Alter des Grabes gab es nur Vermutungen, Helmuth Mayr mutmaßte einmal, dass es nach dem Neubau unserer Kirche, also in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, entstanden sei. Leider gibt es dieses Grab nicht mehr und es sind auch keine Bilder oder Fotos, die es darstellen würden, bekannt.
„Gott sei Dank“, gibt es aber noch Zeitzeugen, die sich noch sehr genau an diese Abläufe in der Karwoche in Au erinnern. Schorsch Lautenbacher, da Hackl Adi und da Hummelhauser Manfred, waren als Ministranten oder als junge Burschen noch beim Auf- und Abbau des Grabes dabei. Nachfolgend ihre Erinnerungen an diese Abläufe:
Das Grab war etwa 3 Meter hoch und 4 Meter breit. Es bestand aus einer hölzernen Balkenkonstruktion, die durch Keile zusammengehalten wurde. Künstlerisch gestaltete Balken und Bretter, bemalte Leinwände und diffuses Kerzenlicht, erzeugten dann den nachhaltig feierlichen Effekt. Gelagert wurden diese Teile im „Pfarrstadel“. Es war das nicht mehr vorhandene Ökonomiegebäude des ehemaligen „landwirtschaftlichen Pfarrhofes“, der sich nördlich des jetzigen Martinsheims befand. Über eine übliche Hocheinfahrt, eine sogenannte „Dena-Bruck“, war der obere Teil dieses Gebäudes begeh- und befahrbar und diente u.a. als Lagerraum für diese Utensilien.

Am Gründonnerstag, nach dem Gottesdienst am Abend, wurden alle diese Teile dann in die Pfarrkirche gebracht und unter der Anleitung vom Brem Hans, einem heimischen Zimmerer und dem Mesner Lenz, von fleißigen Helfern und den Ministranten aufgebaut. Platziert wurde es in der Apsis der Kirche, zwischen der ersten Stufe zur Apsis und dem Eingang zur Sakristei. Am Karfreitag wurde dann noch die bekannte Figur des liegenden Christi, die auch heute noch an den Kartagen gezeigt wird, in der Mitte des heiligen Grabes am Boden platziert. Bei diesem Christus handelt es sich um eine sehr wertvolle Arbeit von Joseph Götsch, einem der bedeutendsten Bildhauer des bayerischen Rokokos.
Zur Verstärkung des feierlichen Eindrucks wurden am Grab noch acht Glaskugeln aufgestellt. Sie waren mit verschiedenfarbigem Wasser gefüllt. Hinter den Kugeln wurden Kerzen platziert. Das flackernde Kerzenlicht erzeugte dann, in dem ansonsten dunklen Altarraum, eine fast mystische Stimmung.
Der Höhepunkt war dann in der Osternacht. Zwei Ministranten zogen einen Vorhang vor den liegenden Christus und gleichzeitig bewegte der Mesner mit einem Flaschenzug eine stehende Christusfigur im Hintergrund langsam nach oben. Nach dem dreimaligen Ausruf des Pfarrers: „Christ ist erstanden!“, wurde die Figur dann oben am Heiligen Grab sichtbar und es erschall der feierliche Osterhymnus.
Nach dem Amt aber drängte die Zeit. Um sieben Uhr am Ostersonntag war die erste Heilige Messe, bis dahin musste der Altarraum also wieder frei sein. Deshalb wurde das Grab noch in der Nacht von „fleißigen Händen“ wieder abgebaut und verstaut.
Das Heilige Grab in unserer Kirche ist ein Teil unserer „Pfarrgeschichte“, auch wenn es nur noch wenige Fragmente dieses Grabes gibt, ist das Wissen darüber wert, für die Nachwelt erhalten zu bleiben. Deshalb nochmals herzlichen Dank an die erwähnten Zeitzeugen für diese sehr interessanten Informationen.

Sollte es doch noch Bilder, Fotos, zusätzliche Informationen o.ä. über das Grab geben, bitte um Meldung im Pfarrbüro.
Balthasar Spann
