Nach diesem Unglücksfall schrieb Sebastian Langwieder, Pfarrer von Au, an die zuständige „königliche Distrikts-Stiftungs-Administrationen“ in Tölz und bat um rasche Hilfe, da ansonsten sich durch „die Verwitterung der Schaden zehnfach sich vermehren würde“ er schreibt weiterhin, dass die „Gemeinde gewiss auch durch Hand-und Spann-Frohndienste das ihrige leiste wird.“
(Diese Behörde war seit der Säkularisation für die Genehmigung und auch etwaige Förderung von kirchlichen Bauvorhaben zuständig.)
Umgehend kam scheinbar das Antwortschreiben mit der Anweisung, das Dach provisorische abzudecken und Überschläge (Angebote) für die Reparatur im drauffolgenden Jahr einzuholen.
Nach der Prüfung der Angebote wurden nachstehende Firmen mit der Ausführung beauftragt:
Zimmererarbeiten: Josef Gasteiger, Zimmerermeister von Au
Maurerarbeiten: Johann Thaller, Maurermeister von der Hausstatt
Schmiedearbeiten: Hans Meier, Schmiedemeister von Au
Reparatur Orgel: Will, Orgelbauer aus Tölz
Blitzschutz: Georg Manhart, Zimmerermeister von Gmund,
Interessant ist, dass nach dem Unglück nicht nur das Dach repariert wurde, sondern auch die damals moderne Technik eines Blitzableiters installiert wurde. Der Blitzableiter war mit über 100 Gulden fast so teuer wie das gesamte restliche Baumaterial zusammen.
Im nachfolgenden Antwortschreiben wird auch noch auf die Finanzierung, Bauaufsicht ect. eingegangen:
Im Namen
Seiner Majestät des Königs
von Baiern &c.
Es wird die königl. Bezirks-Stiftungs-Administration auf ihren unterm 23. v. Mts. [vorigen Monats] hierher erstatteten Bericht ermächtigt, den durch Blitz beschädigten Pfarr-Kirchthurm zu Au, Landgericht Miesbach, nach dem beiliegenden, durch die königl. Kreis-Bau-Inspection revidirten, und auf 595 fl. 6 kr. [Gulden und Kreuzer] gestellten Voranschlage, unter Kontrolle des einschlägigen Pfarramtes, wieder gut herstellen zu lassen, und hierzu einen angemessenen Vorschuß aus den geratenen Mitteln zu machen.
Zugleich wird die königl. Administration beauftragt anzuzeigen, ob der Blitz nicht gezündet habe? auch ist unterhand zu erörtern, wie diese Bau-Exigenz am füglichsten zu decken seyn? was aber die Herstellung der Orgel betrifft, so ist vorläufig zu unterlassen.

Nach der Fertigstellung erfolgte die anliegende Schlussrechnung
Zusammenstellung aller Kostenaufwandts auf den durch den Blitz beschädigten Thurm,
Orgel, und Uhr, samt Wetterableiter. 1817. et 818.
Herstellung des Thurms von der ganzen Westseite, und der ganzen
obern Spitze, an Schindeln, Nägeln, Taglöhner für Zimmerleuthe,u. Maurer 343.15
Für das Anstreichen des Thurms, Farbe, Taglöhner 166.50
Für Herstellung der Orgel mit aller Zugehör 251.34
Wetterableiter mit Draht, Stiftten, Aufzogss_ 105.48
Für Herstellung der Uhr, nebst Seilen 149.40
S: Summa 1017 Gulden und 7 Kreuzer
In der Literatur wird der Wert eines Guldens, umgerechnet auf unsere Zeit, mit 10 € angegeben.
Text: Balthasar Spann
