Skip to content

Als Mesnerin, Oma und Mensch war Philomena Kasparbauer zu ihren Lebzeiten unentbehrlich. Der Herr über Leben und Tod rief seine engagierte Dienerin „Mena“ im Alter von 88 Jahren in sein ewiges Reich. Um sie trauern Tochter Barbara, Schwiegersohn Walter und Enkeltochter Magdalena. Die Beerdigung fand in Haag i. Obb. statt.

Am 30. Oktober 1937, erblickte sie als viertes von insgesamt 16 Kindern in March im Bayerischen Wald das Licht der Welt und wuchs in dieser großen Familie umsorgt von ihrer Mutter und ihren Großeltern auf. Ihr Vater musste an die Front. Eine sehr innige Beziehung bestand zu ihrem Großvater, der sich dem Widerstand im Zweiten Weltkrieg zuwendete. Die Mutter versorgte still und heimlich den Großvater, der sich vor den Schergen der „SS“ im Heuboden versteckte, aber dort nie gefunden wurde.

Mut und Standfestigkeit ihrer Familie wurden Mena, die schon früh in der örtlichen Volksschule aufgenommen wurde, in die Wiege gelegt. Daraus entwickelte sich in ihren Kinderjahren ein starkes Selbstbewusstsein, zudem auch ihr Taufname gehörte, den sie nicht mochte und öfters andere Namen angab. Gehänselt wurde sie auch wegen ihrer stämmigen Figur. Nach ihrer Volksschulzeit wechselte sie in die ländliche Berufsschule. Anders als von ihren Eltern erwartet, entschied sie sich für eine Lehrstelle in Grainau (Zugspitze), die sie per Zeitungsannonce entdeckte. Von 1957 bis 1971 verdingte sie sich im hauswirtschaftlichen Bereich und erwarb sich durch ihr fleißiges und umsichtiges Wesen bei Dienstgebern und Gästen große Anerkennung. Bekannt war Mena für ihre Späße und kuriosen Einfälle, unter anderem bei den in Grainau stationierten amerikanischen Soldaten.

Kurz vor der Geburt ihrer Tochter Barbara zog sie nach Bad Feilnbach, wo sie bis 1983 im Feinkost- und Lebensmittelgeschäft Wimmer in der Wurstabteilung arbeitete. Im gleichen Jahr wechselte sie ins damalige Kurhotel „Tannenhof“ und arbeitete dort bis 1986 in der Küche. 1987 nahm sie in der Pfarrei Herz Jesu Bad Feilnbach die hauptamtliche Mesnerstelle an und diente, begleitet vom Geist Gottes, Pfarrer Josef Brenninger und bis zu ihrer Pensionierung 1998 Pfarrer Jakob Aigner. 28 Jahre lang bereicherte sie mit ihrer Stimme den Kirchenchor. Mit Beginn ihres Ruhestandes entschloss sich Mena zu ihrer Tochter Barbara und Schwiegersohn Walter nach Haag zu ziehen. Ihr Herz galt jedoch bis zu ihrem Tod ihrem geliebten Dorf unterm Wendelstein, wie Marinus Bernrieder, Mesner in der Wallfahrtskirche „Maria Morgenstern“ in Lippertskirchen sich gegenwärtig gerne erinnert und die „Mena“ mit dem Bad Feilnbacher Gmoablattl sowie Pfarrbriefen versorgte.

Mit der Geburt von Enkeltochter Magdalena wurde ihr 1999 eine neue Aufgabe zuteil, in der sie sich als unentbehrliche Oma erwies. Im Dezember 2022 stürzte Mena und zog sich einen Oberschenkelhalsbruch zu und wurde nach mehreren Operationen zum Pflegefall. Ein neues Zuhause fand sie im Bürgerheim in Haag. Mobilität spielte für führerscheinlose Zeitgenossin stets eine große Rolle. Ob mit dem Zug oder zuletzt mit dem Rollstuhl gelangte Mena immer an ihr gesetztes Ziel, bis zu jenen frühen Morgenstunden des 28. Juli, als Gott der Herr seine Dienerin friedlich einschlafen ließ.

Text/Bild: Peter Strim

An den Anfang scrollen